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Monatliche Gebetszeiten

Im Ramadan hält sich der Muslim strikt an das Fasten-Gebot. Dieses Fasten erhebt den Menschen in den Rang der von Allah geehrten Engel, stärkt seinen Willen und leitet ihn an zur Tugend der Geduld vor den auf ihn zukommenden Prüfungen.

Der Islam ist eine Religion, die sowohl das Geistige / das Jenseits, als auch das Diesseits / die weltlichen Angelegenheiten eines Muslims bis ins kleinste Detail bestimmt.

Das Fernbleiben von jeglicher Nahrung und Getränke im Ramadan ist einer der Erlasse, welche das geistige und seelische aber auch das physische und weltliche Leben von einem Gläubigen bestimmen. Wenn wir diese Regelung äusserlich und sozial betrachten, so ist es eine Solidarität mit den armen, hungernden Menschen dieser Welt. Innerlich und jedem einzelnen Individuum angerechnet, ist es ein "Abstand Nehmen" vom Wahn des Konsums.

In dieser Gesellschaft, wo der Konsumwahn von den Medien und der Industrie mit Hochdruck gefördert wird, zieht der Muslim einen Schlussstrich unter das Angebot wendet sich seiner Menschlichkeit zu. Das Fasten bestärkt den Willen zur Geduld, Eigenständigkeit und zur Erfüllung göttlicher Vorschriften.

Im Koran heisst es: "O ihr, die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch das Fasten, wie es den Früheren vorgeschrieben war; vielleicht werdet ihr gottesfürchtig" (Koran, 2:183).

Aus diesem Vers können wir entnehmen, dass das Fasten auch bei den Propheten Moses - Friede sei auf Ihm - (bei den Juden) und Jesus - Friede sei auf Ihm - (bei den Christen), vorgeschrieben war und das die Menschen durch diese Enthaltung gottesfürchtig werden und keine Sünde begehen sollen.

Ramadan, Monat der Offenbarung

Der Ramadan ist nicht nur das Fasten an sich, sondern es hat auch eine anderweitige Bedeutung für den Muslim:

Die Offenbarung der heiligen Schrift "Koran" begann in diesem Monat und der Prophet Muhammad (Friede sei auf Ihm) lud die Menschheit ab diesem Monat 23 Jahre lang unentwegt zu diesem monotheistischen Glauben ´Islam´ ein. Neben dem Fasten in diesem Monat ist es für uns Muslime auch eine Erinnerung und Hochschätzung an die Zeit, in der der Prophet seine anstrengendste Phase erlebt hat.

Dauer des Fastens:
Der ´Ramadan´ erstreckt sich über einen Monat und richtet sich nach dem Neumond. In einem Hadith (einer Überlieferung vom Propheten) sagt Muhammad (Friede sei auf Ihm):

"Wenn ihr den Neumond seht, so fängt mit dem Fasten an und falls ihr es noch mal erblickt, so beendet es. Wenn ihr aber durch die Wolken davon verhindert werdet, so vervollständigt den Monat ´Scha'aban´ mit 30 Tagen." (Buhari).

Als eine Orientierung für den Monat ´Ramadan´ wird entsprechend als Richtschnur der Neumond gewählt.
Die tägliche Dauer des Fastens wird jedoch von der Sonne bestimmt. Vor dem Sonnenaufgang (im Morgengrauen) bis zum Sonnenuntergang darf nicht gegessen, getrunken und geraucht werden ebenso darf man keinen Geschlechtsverkehr haben.
Nur zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang des nächsten Morgens sind diese erlaubt.

Die Verpflichtung zum Fasten

Jeder Muslim, weiblich oder männlich, Jung oder Alt hat spätestens nach Eintritt der Volljährigkeitsalter dieser Pflicht nachzukommen. Die weiblichen Muslima sind ab ca. 12 Jahren und die männlichen Muslime ab ca. 15 Jahren davon betroffen. Die Kinder fangen aber oft einige Jahre vorher an und eifern damit ihren Eltern nach. Unter den Schulkameraden ist es dann ein Grund zum Angeben, wer die meisten Tage gefastet hat. Somit wird schon in frühem Alter eine Gewöhnung ans Fasten erreicht.

Ausnahmen (Befreiung) von der Verpflichtung zum Fasten

Es gibt natürlich auch Ausnahmen, die einem Volljährigen erlauben, die Verpflichtung aufzuschieben und in diesem Monat nicht zu fasten. Allah der Erhabene sagt im Koran:
"Gezählte Tage! Wenn aber einer unter euch krank ist oder auf Reisen, (der faste die gleiche) Anzahl von anderen Tagen; und sie, die es vermöchten (und nicht fasten), sollen zur Sühne einen Armen speisen. Und wer aus freien Stücken Gutes tut, dem soll Gutes werden; und dass ihr fastet, ist euch gut, wenn ihr es begreift." (Koran, 2:184)
Diejenigen also, die erkrankt oder unterwegs auf einer Reise sind, werden von dieser Verpflichtung ausgenommen, bis diese Umstände sich wieder ändern.
Die gesundheitlichen Aspekte des Fastens:
Der Arzt ´Haris b. Kelde´ drückt den wesentlichen Standpunkt in einem Satz aus:
"Der Magen ist das Zentrum jeglicher Krankheiten und das Fasten ist der erste Schritt zur Heilung."
Es ist nicht zu leugnen, dass es auch der Gesundheit zuliebe ist, wenn weniger Nahrung konsumiert wird. Das wird ihnen jeder Arzt bestätigen und ab und zu auch als verschrieben. Die Wissenschaft bekräftigt diese Tatsache.

Die masslose Nahrungsaufnahme kann zu folgenden Leiden führen:
Rheuma, Herzbeschwerden, Störungen des Blutkreislaufes, Zuckerkrankheit oder ähnliche Beschwerden, deren Ursprung in der übertriebenen Nahrungsaufnahme liegen.

Wir Muslime aber fasten nicht um der Gesundheit willen oder um abzunehmen, sondern nur weil Allah es von uns so gewollt hat. Die positiven Wirkung sind nur die Begleiterscheinungen, von denen wir profitieren.

Ramadan als soziales Phänomen

Der Fasten-Monat ´Ramadan´ ist ein soziales Phänomen, von dem andere Religions-Gemeinschaften, Systeme und Gesellschaftsformen nur träumen können.

Dieser Monat reisst die Barrieren zwischen Arm und Reich nieder. Der reiche Muslim fühlt einen Monat lang das, was die Armen dieser Welt ihr ganzes Leben durchmachen. Sein Magen knurrt, wie die des Bedürftigen und der Ramadan bringt ihn den Armen gefühlsmässig. Wie kann dieser Wohlhabende jemals die Armen dieser Welt reinen Gewissens zur Erhaltung seiner Machtstruktur missbrauchen?

Die Reichen der kapitalistischen westlichen Gesellschaft sollten diese Variante mal für ihr Leben in Betracht ziehen. Im Ramadan werden noch zusätzlich die sozialen Beziehungen enger geknüpft:

  • Die Eltern werden besucht.
  • Die Verwandten und Freunde werden aufgesucht.
  • Es finden gemeinsame Mahlzeiten (beim Fasten-Brechen) statt.
  • Den Bedürftigen dieser Welt wird gespendet.
  • Der leidenden Masse das Mitgefühl ausgesprochen.

Im sozialen Bereich gibt es noch etliche positive Effekte, von denen wir hier nur die wichtigsten aufgezählt haben.
Durch das Fasten investiert das Individuum seine Zeit, die es normalerweise ausschliesslich für den Verzehr und die Verdauung von Nahrung reserviert hat, für nützlichere Dinge im Leben, wie z.b. :

  • Die Aufarbeitung des Zwischenraumes vom letzten Ramadan bis zum diesjährigen (Jahresbilanz seiner Taten).
  • Bitt-Gebete, über die Sünden, die er begangen hat, verrichten.
  • Allah um Vergebung bitten und zusätzliche Gebete verrichten.

Alle diese Wohltaten gehen zusammen mit vielen anderen vom Fasten aus, ganz zu schweigen von seinem Einfluss auf geistigem Gebiet.

Adresse

Stiftung Islamische Gemeinschaft Zürich
Rötelstrasse 86
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Fax: 044 363 52 12